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Berlin MDs

Medizinische Komödie, Drama, Tragödie, Lustspiel und Volkstheater

Gastspiel mit Berliner Hauptdarstellern


Meu Dachterasse

Sascha am 22.6.06

Was ich mir in Berlin nie zu träumen wagte. Was kein schäbiges Assistengehalt sich leisten kann. Was zu dekadent ist, um war zu sein. Eine riesige Dachterasse. Mein neues Domizil - ich bin schon kurz vor unserer Salvador-Reise dorthin gezogen - hat so etwas schönes. Zum Grillen und in der Hängematte herumliegen. Lonesome Cowboy spielen in Fortaleza. Seine Ruhe haben bei durchschnittlich 50 neuen Gesichtern pro Woche, die man hier kennenlernt und die alle smalltalken wollen.
Ich wohne jetzt in einer WG, 3 Brasilianer, 2 Deutsche. Ein grosses Haus mit grosser Küche und riesigem Wohnzimmer. Mein Zimmer? Grün, knallgrün. 15 Quadratmeter grün. Mit eigenem Bad dran. 10 Quadratmeter Bad. 1 Babykater. Internet. Alles zusammen 240 Reais - 80 Euro. Es ist super hier, entspannt, in einer ungefährlichen und schönen Gegend in Spazierentfernung zur Uni. Also kommt vorbei und wenn ihr nicht gerade smalltalken wollt könn' wa grillen!

Bis denne,
Berlin MD.

2:0 für Salvador/Bahia.

Sascha am 22.6.06

Feiern mit Olodum beim Spiel Brasilien - Australien.

Gaibu - das Spiel der alten Männer.

Sascha am 17.6.06

Es war unser letzter Tag unseres kleinen Strandausfluges nach Gaibu und die erste Bewaehrungsprobe der Seleção Brasilera gegen Kroatien.
Fuer uns Gringos fing alles recht gut an. Nachdem wir Poseidon am Vortag 150$ geopfert hatten belohnte uns der Leviathan mit ordentlichen Wellen gleich zu Sonnenaufgang. Merklich angescheuerte Genitalien und ein koestliches Fruehstueck spaeter, wurde es Zeit sich nach einem guten Platz fuer das Spiel, des bis dato am heissesten gehandelten Endpielfavoriten, umzusehen. Cici verliess uns nach kurzer Zeit entnervt gen Recife. Der Rest entschloss sich zu bleiben, noch ein bisschen die Sonne und den Strand zu geniessen und danach in irgendeiner Barraca aufzuschlagen.
Allerdings wurden unsere Plaene kurz vor Beginn des Spieles jaeh durchkreutzt, als irgendeine Gestalt samt Ehefrau und Pudel aufkreuzte und Chris festellte, eben jenen Kollegen schon mal irgendwo getroffen zu haben. Tabula rasa - und eh wir uns versahen, sassen wir in seinem Auto und hielten erst wieder an einem kleinen Parkplatz am Rande der Bundestrasse. Zu Nichtweltmeisterschaftszeiten werden dort Ventilatoren, Bier und Tierfutter verkauft. An jenem Tage versammelten sich dort aber eine Delegation von Herren, die mit Fussball und Sportlichkeit allenfalls das Geburtsjahr von Pélé gemeinsam hatten, zum Grillen und zum Glotzen. Immerhin mangelte es nicht an Patriotismus, Festlaune, Troeten und gelb-gruenen Klamotten. Der Hochstimmung wurde nur ein kurzer Daempfer versetzt als uns unsere brasilianischen Begleiter zum Spass als Kroaten vorstellten. Trotz gemeinsamer Sauferei und Freude ueber das eine(!) Tor konnten wir dieses "Stigma" bis zu Schluss nicht ganz loswerden. 90min, etliche Bier und die Welt um einen brasilianischen Sieg reicher kreuzte ganz unvermittelt unser Bus, der uns wieder gen Recife bringen sollte auf und in grosser Hast sprangen wir auf, natuerlich nicht ohne uns vorher von unseren neuen Freunden verabschiedet zu haben. 5min spaeter fiehl uns dann auf, dass wir kraeftig die Zeche geprellt und sich das mit den neuen Freunden auch gerade wieder erledigt hatte...
Auch wenn die Location denkbar unattraktiv war, haben wir mal wieder eine neue Facette Brasiliens entdecken duerfen. Mal ganz abgesehen von dem wunderschoenen Strand und der mahlerischen Pousada.
Gern wieder nach Gaibu, aber beim naechsten Brasilien Spiel wird in Salvador in der Menge gebadet!

MFG & Abraços
RamboMD

demnächst: Recife - Traumhäuser im Rotlichviertel.

Olinda - ó linda!

Sascha am 17.6.06

Wir sind gerade unterwegs. Eine kleine Reise durch Nordostbrasilien. Die Möglichkeiten ins Internet zu gehen und im Blog zu posten sind spärlich und eigentlich haben wir auch nicht viel Lust dazu, bei den vielen aufregenden Sachen, die vor der Tür des Internetcafés auf uns warten.

Olinda ist die erste Station unserer Reise. Ó linda - oh wie schön ist dieses kleine Städtchen, wo wir bei einem Freund unserer Reisebegleiterin Cecile schlafen können. Der verkauft brasilianische Minibikinis "Fil Dental(Zahnseide)" in Portugal und hat ein traumhaftes altes Haus in Olinda. Viel mehr sehen wir in den ersten Stunden dort auch nicht - Deutschland spielt das Eröffnungsspiel gegen Costa Rica und wir sind für 2 Stunden mehr in Berlin als in Brasilien.

Was wir dann in den nächsten Stunden und Tagen in Olinda erleben und sehen ist das krasse Gegenteil zum hektischen, lauten und hässlichen Stadtleben in Fortaleza. Olinda ist ruhig, wunderschön, karibisch langsam, bunt, voller Kultur und besonders voller Künstler, die sich hier so eine Art Refugium geschaffen haben. Alles ist irgendwie "tranquilho". Die Stadt besteht ausschliesslich aus kleinen alten 2 stöckigen Häusern, die in allen erdenklichen Farben in der Sonne leuchten. Überall gibt es kleine Galerien, Cafés und Pousadas. Kirchen, die Portugiesen, Holländer und Franzosen hier gebaut haben, schmücken den gesamten Hügel, auf dem Olinda begaut wurde und von dem man das Meer glitzern sehen kann.

Eigtentlich haben wir die ganze Zeit nichts gemacht, sind rumgelaufen, haben gut gegessen und mit den Leuten Fussball geguckt. Olinda ist perfekt zum Nichtstun - und soo schön.

Bis bald,
Euer Berlin MD.

demnächst: "Gaibu - das Spiel der alten Männer"

Salto criminale...

Sascha am 4.6.06

Samstag. Seit einer Stunde ist es hell am Himmel über Fortaleza. Wir quälen uns aus unseren Schlaflagern bei Breno. Heute kein Mingau und kein Milchkaffee aus dem Mixer. Wir sind früh verabredet – um 8.00 Uhr wartet unsere Carrona zum Strand nach Prainha. Das mit der Mitfahrgelegenheit erledigt sich dann doch und wir fahren den einstündigen Weg mit dem Bus nachdem wir noch einen Bolo mole und ein Água de Coco zu uns genommen haben. Betohnt man Coco übrigens falsch (Cocô), spricht man ungewollt von festen Stoffwechselendprodukten.
Was soll man von einem eher durchschnittlichen Strandtag in Brasilien berichten. Riesige Obstsalate, Cocosnüsse, frisch gefangener gegrillter Fisch, Sand, badewannenwarmes Meer, strahlend blauer Himmel, Sonne…und ach ja, wir trotzen der Schwerkraft und üben Salti am Strand. Berlin MD springt jetzt Rückwärtssalti, Rambo schon lange – mit ´ner Radwende davor. Fit in den Sommer - ist auch genug Platz am Strand für solche Turnübungen.
Als wir uns auf den Rückweg begeben, ahnen wir noch nicht, dass wir kurz davor sind, eine neue Stufe der Integrationsfähigkeit zu erreichen. Es ist voll im Topic. Man legt für gewöhnlich sein Gepäck vorn neben den Fahrer, weil eigentlich nicht einmal die eigenen Klamotten zwischen Dich und die anderen Fahrgäste passen. Der Cobrador gibt die Sachen beim Aussteigen wieder aus – leider diesmal dem Falschen, was wir erst ein paar Sekunden später bemerken. Der neue Besitzer verschwindet glücklich in der Dunkelheit Fortaleza. Eine alte Dame kennt den jungen Mann und nach vielen Kilometern Fahrt um die Leute rauszuschmeißen, finden wir uns samt Topic und alter Dame vor seinem Haus in einer ziemlich düsteren Gegend wieder. Familie da, Schurke und Rucksack nicht. Wir warten, die Familie sucht. Nach einigem Warten tauschen wir Telefonnummern aus und ab geht’s zu Breno. Der ist mit der Einigung, morgen bei Nichtauftauchen des Rucksackes die Polizei zu rufen nicht so glücklich und wir sind kurz darauf auf dem Revier, wo Breno einen Freund hat, der daraufhin dort auch gleich unser aller Verwandtschaft verkündet. Mittlerweile ruft die Familie des Übeltäters bei Breno an – der Rucksack sei jetzt da. Zurück also in den Topic und die dunkle Gegend – diesmal haben wir einen straßenharten Polizisten mit breiten Schultern, einer Buddha-Aura und großer Knarre als Begleitschutz dabei. Ist doch gut, Verwandte bei der brasilianischen Polizei zu haben.
Angekommen, im Licht der Scheinwerfer den Rucksack kontrolliert – umringt von mindestens 50 Leuten aus der Nachbarschaft. Vieles ist da, Handy und Geld fehlen. Breno bricht währenddessen eine Lanze nach der anderen für uns Gringos. Der Buddha-Bulle wirkt unheimlich beruhigend. Diskutieren bringt das Handy nicht zurück, aber uns noch mal auf die Wache. Eine Anzeige und die freundliche Zusage des Polizeichefs, eine härtere Gangart einzulegen, falls das Handy bis morgen nicht erscheint, folgen.
5 Stunden sind seit dem Rucksackverlust vergangen. Mit Abstand die längste Fahrt vom Strand nach hause. Der Adrenalinspiegel seit Stunden auf Maximum. Jetzt noch Tanz und Caipirinha bei Breno im Viertel. Der Caipi ist purer Cachaça, der Tanz (Quadrilhas) ist pure Lebensfreude und Anmut.

Wir halten Euch in auf dem Laufenden…
Berlin und Rambo MDs.