Sonntag im Labor
Sascha am 31.10.05
"Kannst Du mir am Sonntag ein bisschen im Labor helfen" war die Frage, die mein Chef mir irgendwann letzte Woche stellte.
Gestern dann, über dem Inntal scheint die Sonne von einem wunderbar blauen Himmel, finde ich mich im Keller eines grossen Labors in Innsbruck wieder. Vor mir läuft langsam aus einem Tropf, weit verzweigt durch kleine Schläuche und Zwischenstücke, Fixationslösung durch winzige Flexülen, die in den Truncus Pulmonalis toter neugeborener Ratten münden. Von dort strömt die konservierende Flüssigkeit durch die Lungengefässe der Tiere zurück in den linken Vorhof, in den man ein Loch geschnitten hat, aus dem sie dann am Körper der Tiere hinab rinnt.
Die Luftröhre der Tiere ist über eine Nadel mit einer Art Beatmungsgerät verbunden. Mit einem konstanten Druck strömt Luft in die kleinen Lungen, um sie gleichmässig offen zu halten.
Nach einer halben Stunde sind die Atemorgane der kleinen Tiere fest, blutleer und sehen weisslich aus. Ich nehme die Ratten von der Beatmung und dem Fixationstropf um ihnen in einer Art Operation - oder eher Sektion - die winzigen Lungen zu entnehmen und sie in beschrifteten Töpfchen zu lagern. Später sollen sie geschnitten und mit aufwändigen Techniken mikroskopiert werden.
Nach 8 Stunden - alle Tiere sind präpariert - dröhnt mir der Kopf vom Geruch des Formalins, ich habe Hunger und wanke müde nach hause. Es ist abends um 22.00 Uhr und die Sonne über dem Inntal scheint schon lange nicht mehr.
Auf dem Weg finde ich es seltsam, wie wenig Angst und Ekel ich empfunden habe. Mehr gespanntes Interesse für die Anatomie der Tiere und Konzentration auf die handwerklich ziemlich knifflige Aufgabe. Vielleicht hat ja dieses Medizinstudium meinen Blickwinkel auf vieles verändert - sicher aber nicht nur auf tote Ratten...
Berlin MD.






